Veröffentlicht in Allgemein, Haushalt, Hoogstede, Nonsens, Tiere

Lauschangriff

Ich bin zwar kein Technikfreak und schon gar kein Nerd, aber ich weiß schon ein paar Sachen.

Zum Beispiel weiß ich, dass man über die Kamerafunktion des Computers oder des Handys ausspioniert werden kann.

Auch über die Standorterfassung vom Handy. Das GPS kann natürlich ganz leicht feststellen, wo sich jemand befindet, also habe ich die Kamera ausgeschaltet beziehungsweise zugeklebt, Standorterfassung deaktiviert.

So weit so gut. Fernseher befindet sich im Wohnzimmer, und man muss ja dort nicht unbedingt wichtige Sachen besprechen, wenn man Angst hat, dass man auch über den Fernseher ausspioniert werden könnte (was im Übrigen kein Witz ist). Von „Alexa“ ganz zu schweigen … die bei uns glücklicherweise niemals ins Haus kommen wird.

Dass man aber in der freien Natur ausspioniert werden kann, das war mir neu.

Ich war vollkommen überrascht, als ich den großen Lauschangriff in Hoogstede bemerkte.

An jedem Baum saßen sie, und zwar in einer Menge, bei der man sicher sein konnte, bis zum kleinsten Räusperchen abgehört zu werden. Und ich hatte das Gefühl, dass sie mir heimlich folgten, indem sie flink von Baum zu Baum kletterten.

Ich war schlicht und einfach fassungslos. Also machte ich vorsichtshalber ein paar Fotos, kontaktierte meinen Mittelsmann Professor Cannabidiotis, der ja Spezialist für alles und jedes ist und fragte ihn, ob er herausfinden könne, wer hinter diesen Lauschangriff steckt.

Einige Tage später hatte ich die Antwort.

„Du wirst es nicht glauben“, sagte er, „aber diese hochkomplizierten Spionwanzen haben sogar zwei Funktionen. Erst hören sie dich ab, und nachdem sie alles an die entsprechenden Geheimdienste in Altmeerland, Rüminien, Kussland, Dämelmark, Bemerika und weiß was ich welchen Ländern noch weitergeleitet haben, zerstören Sie sich selbst. Mittels Feuer. Denn das sind Pyrowanzen! So kann man überhaupt nicht mehr herausfinden, dass sie existiert haben und für diese Länder unschuldige Bürger in Hoogstede und Umgebung ausspioniert haben.“

Sogar Professor Cannabidiotis, der sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen ließ, war geschockt.

Da hatten wir es! Ich wusste, an diesen Wanzen war etwas faul. Sie hingen doch nicht umsonst zu Hunderten überall herum. Sich unschuldig wie harmlose kleine Tierchen tarnen, aber Big Brother spielen!

Lauschangriff
Der große Lauschangriff

„Ok, aber wie kommen die hierher? Und warum ausgerechnet Hoogstede? Ist ja jetzt wohl nicht unbedingt eine Agentenhochburg …“

Tibbi (Anm.: Marti Narens‘ Kosename für ihren momentanen Lebensgefährten) atmete tief ein.

„Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, hat das nichts mit Agenten zu tun, sondern mit einem …äh … neuartigen Material.“

„Hä?“

Er druckste ein bisschen herum. „Na ja, wir haben doch eine neue Küche aus diesem neuartigen Material. Und da dachte ich, das Material könnte ich ja auch mal anderen anbieten. Den Küchenheini wird’s sicher freuen, der würde eine Menge Kohle dafür bekommen. Aber …“

Professor Cannabidiotis machte eine Pause.

„Aber was?“ fragte ich scharf und einer Panik nahe. Wir hatten ebenfalls eine Küche aus diesem Material!

„Herr Wunderfitz von Küchen Mirakulis wollte sein revolutionäres Material nicht verkaufen. Nicht für den Zweck, den diese Typen im Sinn haben.“

„Der da wäre?“

„Sie wollen einen neuen Riesentresor bauen. Größer als Fort Knox. Für ihr Gold.“

„Und jetzt?“

„Jetzt suchen Sie alle Kunden von Herrn Wunderfitz, um dann klammheimlich das Material aus deren Häusern zu mopsen. Das sie dann gegen herkömmliches Material austauschen.“

Ich wusste es. Ich hatte es einfach im Urin, dass an dieser Küche etwas faul war. Sie war zu perfekt, um wahr zu sein. Hätte ich mal unseren Gelsenkirchener Barock behalten!

„Tibbi, was machen wir denn jetzt?“, fragte ich ratlos.

Und sonst so? Fortsetzung folgt …

Veröffentlicht in Allgemein, Schreibeinladung

Einhorn-Himmelsstürmer

Ich sah das Mädchen an. „Also wenn der Stier weder Seetomaten noch Einhorn-Tomaten bekommt, bleibt er dann überhaupt rot?“

Sie überlegte kurz. „Nö. Glaub ich nicht. Mein erstes Einhorn war ganz weiß am Anfang, und als ich es dann mit den Einhorn-Tomaten gefüttert habe, hat sich seine Farbe geändert.“

„Aha, und wie sah es dann aus?“

„Erst ganz leicht rosa, dann etwas dunkler rosa, und dann wurden sein Schweif und seine Mähne rot. Und sein Horn lila. Das Horn hätte eigentlich weiß bleiben müssen, damit das Einhorn ausreisen kann. Ging aber nicht mit dem Horn.“ Sie zuckte mit den Schultern.

Ich verstand nur Bahnhof. „Wohin wollte es denn ausreisen?“

Sie lächelte und schaute nach oben in den Himmel. „In den Himmel natürlich. Einhörner müssen ein weißes Horn haben, um damit den Stern anzustupsen.“

„Ach so. Damit das Himmelsleuchten beginnt, oder?“, fragte ich scherzend.

Sie strahlte mich an. „Du weißt das? Das hat noch nie ein Erwachsener gewusst.“

„Ich habe aber leider vergessen, welcher Stern das war“, stotterte ich verlegen.

„Na, der oben links in der Ecke vom Pegasus.“ Sie zeigte mit dem Finger auf eine Figur am mittlerweile dunklen Herbsthimmel, die für mich wie ein Viereck mit Griff aussah. „Sirrah. Der gehört aber eigentlich zu Andromeda.“

Na toll. Ein Kind, das sich auch mit Sternbildern auskennt.

„Was ist denn mit deinem ersten Einhorn passiert?“, fragte ich sie, um von den Sternen abzulenken.

„Ist leider gestorben.“

„Das tut mir leid“, sagte ich leise. „Hast du es begraben?“

Sie nickte heftig. „Sie sind recycelbar! Deswegen wünsche ich mir ja auch wieder ein Einhorn. Wenn man sich nämlich eins wünscht, und man hatte schon eines, kommt es wiedergeboren zurück.“

„Und dann?“

„Bleibt sein Horn weiß. Es stupst den Stern an und geht mit dir in den Himmel. Wenn es Zeit ist.“


Ich habe meine kleine Einhorn-Tomatengeschichte fortgesetzt, und zwar für die Schreibeinladung von Christiane: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/11/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-45-46-19-wortspende-von-meine-literarische-visitenkarte/

Danke für die Wortspende, die von Anna-Lena mit ihrem Blog „Meine-literarische-visitenkarte“ stammt.

Bild: Rebecca Ilic

298 Wörter

Veröffentlicht in Allgemein, Schreibeinladung

Unsterblich

Dieser schwebende Zustand war einfach zu wunderbar. Oben am Himmel über allem Anderen, sich einfach nur leicht und schwerelos fühlen …

Wenn er sich fallen lassen würde, gäbe es kein besonderes Himmelsleuchten mehr, kein geheimnisvolles Pulsieren und Wabern, keine funkelnden Punkte am Firmament, keine Menschen, die „Aaah!“ und „Ooh!“ riefen.

Er wäre einfach nur ein lebloses Materieteilchen, verdonnert zu ewigem Kreislauf, denn alles, was hinabstürzte, war recycelbar. Eine All-Müllkippe, auf der Kometenstaub und Meteoriten, Feenglitzer, Sternenschweife, Funkengewitter, Ewigsand, Elfenperlen und alle anderen mysteriösen und wundersamen Erscheinungen des Kosmos landeten und immer wieder dem unaufhörlichen Kreislauf zugeführt wurden. Er wollte keine wiederverwertbare Materie sein, er war einzigartig.

Wie konnte so etwas Reines und Unschuldiges wie er zu so etwas Profanem verurteilt sein?

Nein, seine Bestimmung, sein Schicksal war eine andere Art der Unsterblichkeit.

Er würde dieser Erde unbeschreibliches Glück bringen. Alle würden sich an ihn erinnern. Er wäre auf ewig in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Sie würden über die Diamantengoldbrücke gehen – ach was, rennen! -, nur um bei ihm sein zu dürfen.

Und er würde sie mit ausgebreiteten Armen empfangen, und alle würden nur ihm huldigen!

„Hallo, können Sie mich hören? Hallo!“

Unwillig nahm er die Stimme wahr, die so hartnäckig auf ihn eindrang. Was sollte das? Wer wagte es, ihn, den Unsterblichen, anzusprechen? Hatte dieses Wesen keinen Respekt vor ihm?

Wieder hörte er die Stimme, und diesmal unterbrach sie seinen schwebenden Zustand abrupt.

„Na geht’s wieder? Ich hatte schon die Befürchtung, dass Ihre grauen Zellen leichten Schaden genommen haben. Sie haben nämlich die ganze Zeit irgendwas davon gefaselt, dass Sie der große Unsterbliche sind, zu dem alle aufsehen. Da war ihr Geist wohl einen Moment ausgereist, so wie es aussieht. Aber machen Sie sich nichts draus, das geht vielen so, denen ein Blumentopf auf den Kopf fällt.“


Das war mein Beitrag zur https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/11/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-45-46-19-wortspende-von-meine-literarische-visitenkarte/

Die Wortspende – Himmelsleuchten, recycelbar, ausreisen – stammt von Anna-Lena mit ihrem Blog „Meine-literarische-visitenkarte“ .

Veröffentlicht in Allgemein, Pflanzen, Schreibeinladung

Golfballmanöver

Golfballmanöver für die Schreibeinladung von Christiane mit 298 Wörtern:

Er war nicht für das Loch im Gewächshaus verantwortlich.

Trotzdem hielten sie ihn für den Schuldigen. Weil sie den Golfball mit seinen Fingerabdrücken in diesem Glasdings gefunden hatten. In dem sich diese unglaublich teure und seltene Pflanze befunden haben sollte. Die sich jetzt nicht mehr darin befand. Und er sollte sie gestohlen haben.

„Golfballmanöver“ weiterlesen

Veröffentlicht in Allgemein, Schreibeinladung, Tiere

Einhorn-Tomaten

Nun, dann mal wieder ein kleiner Beitrag zur Schreibeinladung für die abc-etüden: Einhorn-Tomaten

========

„Ein Einhorn.“

„Hast du sonst noch Wünsche?“

Kurzes Überlegen. „Ein Gewächshaus.“

„Vielleicht noch einen Swimmingpool dazu?“

Stirnrunzeln. „Dann ist doch gar kein Platz mehr für das Einhorn.“

„Einhorn-Tomaten“ weiterlesen