Dinge & Geheimnisse. Teil 5: Adieu

Dies ist ein Beitrag zu den abc-Etüden von Christiane. Die Wortspende für die Schreibeinladung der Wochen 41/42 stammt diesmal von Werner Kastens mit seinem Blog Mit Worten Gedanken horten.


Was bisher geschah, lest ihr hier, hier, hier und hier.

Dinge & Geheimnisse. Teil 5: Adieu

Mein Rumpelkammerherz raste.

Die meisten Dinge in mir haben unentwegt gejammert. Unternommen hat keines von ihnen etwas.

Der Teppich schon. Ruhig hat er in meiner dunkelsten Ecke abgewartet, und jetzt hatte seine Stunde geschlagen.

Ob er wohl jemals zurückkehrte? Ich wünschte es mir, aber ich freute mich auch, dass er endlich seine Freiheit wiederhatte.

Die anderen Dinge hatten sprachlos zugesehen, wie er mit dem Landvermesser durch das Fenster entschwand. Sie hatten kein einziges Mal erlebt, dass er sich zu seinem Schicksal äußerte. Nur ich, die ich alle Rumpelkammergeheimnisse in mir hortete, wusste um die Tragik seiner Vorgeschichte.

Er sagte nie etwas; doch manchmal, wenn die Tür aufging und der Mann wieder ein Ding in mich hineinwarf, fühlte ich, wie seine Fransen leicht zuckten.

Die anderen Dinge hielten ihn für undankbar, weil er sich nie an ihrem Geschwätz beteiligte.

Nun war der Mann weg, und seine Freundin begann, die Dinge zu sortieren.

Einige kamen auf den Haufen der endgültigen Bestimmung, was nichts anderes als Müllkippe hieß.

Andere wanderten in Kartons, die für etwas bestimmt waren, was die Frau Flohmarkt nannte.

Mir sollte es recht sein. Das Geheimnis war gelüftet, und die ewige Jammerkakophonie der unzufriedenen Dinge hatte aufgehört.

Ich war leer. Leer bis auf wenige Dinge, die die Frau in mir deponiert hatte und die hier nur saisonal logierten. Sobald sie auf einem meiner neuen Regale standen, schnatterten sie zuerst wild durcheinander und fielen dann in einen tiefen Schlaf. Sie erwachten erst wieder, wenn sie zu Weihnachten, Ostern oder anderen Gelegenheiten herausgeholt wurden.

So gesehen war mein neues Rumpelkammerleben sehr beschaulich.

Eines wusste ich jedoch nicht. Was war mit dem Teppich und dem Messer schlussendlich geschehen? Ging es ihnen gut?

Und der Landvermesser? Der Teppich wollte ihn aussetzen, das wusste ich.

Doch das werde ich wohl nie erfahren …


Foto: Pixabay, bearbeitet von Christiane

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