abc-etüden: Herbstlaub-Bläser

Über manche Dinge kann man sich entweder ärgern oder ihnen eine gute Seite abgewinnen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Der Herbst mit seiner Blätterflut ruft begeisterte Männer mit ihren Männerspielzeugen auf den Plan. Ihr ahnt es schon, es handelt sich um die berühmt-berüchtigten … Laubbläser. Der Lärm raubt mir (und wahrscheinlich auch anderen Frauen) manchmal den letzten Nerv, Männer lieben das Ding heiß und innig.

Ich habe eine kleine Geschichte mit genau 300 Wörtern für die Schreibeinladung zu den abc-etüden von Christiane für die Wochen 43.44./20 daraus gemacht. Die drei Worte, die in einem maximal 300 Wörter langen Text einzuarbeiten sind, stammen diesmal von Judith mit ihrem Blog Mutigerleben.


Herbstlaub-Bläser

Nicht, dass er sich nicht schon lange und sehnlichst einen Laubbläser, mit dem er nach Herzenslust den Vorgarten und die Einfahrt leer blasen konnte, gewünscht hätte. Aber der Wille seiner Frau war Gesetz … sie hatte in ihrer Ehe die Hosen an, auch wenn er das nie zugeben würde. Sie wollte KEINEN Laubbläser und daher hatten sie auch keinen.

Ausschlaggebend für ihre Meinungsänderung war ein unfreiwillig mitgehörtes Gespräch, das Nachbar rechts und Nachbar gegenüber morgens draußen geführt hatten.

Otto und Franz hatten wie jeden Tag die von ihnen mit ihren Laubbläsern zuerst in eine Richtung gelenkten Blätter feinsäuberlich mit ihren Laubrechen zu einem großen Haufen geharkt, aus dem kein Blatt entkommen konnte. Anschließend standen die schwerhörigen Rentner, die natürlich ihre Blasgeräte ohne Gehörschutz bedienten, jeweils auf ihren Grundstücken, gestützt auf ihre Harken, und unterhielten sich.

Die daher eher gebrüllte denn gesprochene Unterhaltung war auch in der Küche zu hören, in der seine Frau sich gerade aufhielt.

Empört berichtete sie ihm abends, dass die Nachbarn sie als Schmutzfinken bezeichnet hätten, da ihr Vorgarten als einziger in der Straße immer unaufgeräumt wäre. Überall Blätter!

Alles konnte seine Frau vertragen, nur das nicht.

Resolut verlangte sie von ihm, sich in den nächsten Baumarkt zu begeben und einen Laubbläser zu erstehen, was er am nächsten Morgen prompt tat.

Das Gerät, Marke Taubohr, benzinbetrieben, hatte 2500 Watt und einen Schalldruckpegel von 110 Dezibel.

Endlich gehörte auch er zu den Laubbläser-Besitzern!

Gutgelaunt fuhr er nach Hause – und traute seinen Augen nicht.

Seine Nachbarn hatten, während er im Baumarkt war, ausnahmsweise auch sein Grundstück entlaubt. Die vollen Säcke standen bei Franz im Vorgarten. Na, fabelhaft!

Er überlegte kurz. Dann lief er zu den Laubsäcken, schüttete sie aus und startete seinen neuen Laubbläser.

Wenn die meinten, sein ganzes Laub mopsen zu können, hatten sie sich geirrt!

23 Kommentare

  1. Ich halte es auch mit seiner Frau – lass das Laub Laub sein, zumindest, so lange keine Gefahr im Zug ist.
    Gleichzeitig denke ich daran, wie fasziniert letzte Woche die beiden Enkelbuben dem GemeindeLaubBläser zugeschaut haben – wir konnten zehn Minuten lang nicht losgehen, weil das so interessant war. Hab ich verstanden und bin geblieben.
    Die beiden sind später vielleicht auch mal traurig, wenn sie gesagt bekommen: „Gibt es nicht!“
    Liebe Grüße
    Judith

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    • Ich verwende auch einen breiten Laubrechen, habe mir sogar einen extrabreiten angeschafft.
      Bei den Enkelkindern ist es tatsächlich so dass der Enkelsohn ganz fasziniert zuschaut und am liebsten auch mal mit dem Ungetüm des Nachbarn alles durcheinander blasen würde, und die Enkelin steht daneben und hält sich doe Ohren zu. Ist vielleicht tatsächlich eine Geschlechtersache😆

      Gefällt 1 Person

      • Wie beim Rasenmähen: fängt einer an, kommen schnell weitere hinzu, als gäbe es einen Gruppendruck, wer als Erster fleissig ist, es schneller, lauter oder teurer kann – Potenzprotzerei abseits der Autobahn, tierische Todesopfer inklusive.

        Gefällt 2 Personen

          • Sehr sympathisch. Mit so einem Kräuterrasen + Wieseninseln darin sind auch bei mir die Grünflächen so trockenheits- und laubunempfindlich, dass man dem panischen Treiben der Blätterjäger gelassen zusehen kann. Wo es wirklich mal Haufen bildet, harke ich es zusammen und bringe es auf die Beetzonen, wenn man die überhaupt so nennen kann, weil ich nackten Boden möglichst vermeide. Wozu Rindenmulch kaufen, wenn man wunderbares Laub hat?

            Gefällt 1 Person

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