Dinge & Geheimnisse. Teil 3: Ach wie gut, dass niemand weiß … abc.etüden

Dies ist ein Beitrag zu den abc.etüden von Christiane und ihrer Schreibeinladung für die Textwochen 19.20.20. Die Wortspende stammt diesmal von Olpo Olponator mit seinem Blog olporun. Zu verwenden galt es diesmal die drei Worte „Katamaran, großspurig, totschweigen“ in einem Text mit maximal 300 Wörtern.

Dinge & Geheimnisse. Teil 3: Ach wie gut, dass niemand weiß …

Ungläubig starrt der Mann auf die Dinge vor seinen Füßen. Hatte sich in der Rumpelkammer wirklich so viel angehäuft? Sie wohnen doch noch gar nicht so lange hier.

„Schau mal Schatz, da ist dein vermisster Skischuh. Und da der kaputte Wecker. Ich dachte, du hättest das Ding zum Elektroschrott gebracht. Und da ist ja auch der Teppich, der farblich üüüüberhaupt nicht ins Gästezimmer gepasst hat! Fehlt nur noch, dass du den Glaskasten mit diesem Mes …“

„Ja, schon gut“, unterbricht er seine Freundin. „Ich werde aufräumen.“ Mit diesen Worten fasst er sie an den Schultern und schiebt sie hinaus.

Das war knapp. Ein paar Sekunden länger, und sie hätte den Kasten gefunden.

Er zieht in der Rumpelkammer die Tür hinter sich zu. Dann geht er in die Hocke und streicht mit beiden Händen über den Teppich.

Würde ich jetzt endlich erfahren, warum er damals den Glaskasten mit dem fleckigen Messer in mir versteckt hat? Seine Freundin weiß davon, also kann es nichts Schlimmes sein. Oder? Oder???!

Langsam zieht er den Glaskasten aus dem Teppich und öffnet ihn. Vorsichtig streicht er über die verschmierte Klinge. Ich höre, wie er leise mit sich selbst spricht.

„Die Idee war einfach großartig.“ Er nimmt das Messer in die Hand. Der Teppich und ich halten die Luft an.

„Hochseefischen auf einem Katamaran.“ Seine Schultern zucken. Weint er?

Meine Rumpelkammertür geht wieder auf. „Alles ok?“

„Ich habe die Wahrheit viel zu lang totgeschwiegen.“

„Hä?“ Sie schaut ihn verwirrt an.

„Das Blut stammt nicht von meinem ersten gefangenen Schwertfisch. Ich bin damals über Bord gegangen. Wir haben Spaghetti gegessen. Das Blut an dem Messer ist … Tomatenketchup. Aber alle haben es mir geglaubt. Du auch.“

Jetzt lacht er laut los.

Sie lacht nicht mit. „Ziemlich großspurig, findest du nicht?“

Sie glaubt ihm. Gut.

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